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a long way down
"Vielleicht brauchen wir das alle, ob selbstmordgefährdet oder nicht. Vielleicht ist das Leben an sich ein zu großer Riss, um es ohne weiteres zuspachteln zu können. Darum brauchen wir alles, was wir kriegen können - Hobel und Schwingschleifer und Fünfzehnjährige, egal was -, um es mit etwas auszustopfen."
"Jess lachte schallend los. Martin warf ihr einen schnellen Blick zu, ließ sich dann seine lahme Ausrede noch mal durch den Kopf gehen und musste grinsen, ganz kurz nur, mit gesenktem Blick. Die Situation war mir seltsam vertraut. Wisst ihr, so als wenn dir von deinem Vater gerade wegen irgendwas der Arsch aufgerissen wird und ein Kumpel steht dabei und kann sich kaum das Lachen verkneifen."
"Ich hatte nichtmal was von Mattys Brei gegessen. Denn schließlich ist Essen nichts anderes als ein Kraftstoff, nicht wahr? Es sorgt dafür, dass man weiterhin funktioniert. Aber ich wollte gar nicht weiter funktionieren."
"Also, wie kommen Leute bloß ohne Schimpfwörter aus? Wie ist sowas möglich? Was machen sie in den ganzen Redepausen, in die einfach ein "Fuck" oder "scheiß" reingehört? Ich sage euch, wer die bewundernswertesten menschen überhaupt sind: Nachrichtensprecher. Ich würde an deren Stelle sowas wie "Fuck, die Dreckschweine haben das scheiß Flugzeug voll in die Twin Towers geflogen" sagen. "
"Es ist komisch, die Leute denken, dass ich wegen Matty außen vor bin. Aber Matty ist gar nicht so schlimm. Viel Arbeit, aber... Wie ich mich wegen Matty fühle, das macht mich zur außenseiterin. Man gewichtet alles falsch. Man muss permanent raten,, ob man dinge schwer oder leicht nehmen soll, vor allem die in einem drin, und dann verschätzt man sich und stößt Leute vor den Kopf. Ich hab das satt."
"Gut, pass auf, ich hab mich gefragt, was du sagen würdest. Denn du hättest dir ja wünschen können, er wäre gesund zur Welt gekommen. Dann hättest du dir die ganzen Jahre scheißeaufwischen gespart." Maureen schwieg eine Minute. "Wer wäre ich dann jetzt?" "Hä?" "Ich weiß nicht, wer ich dann wäre." "Du wärst immer noch Maureen, du dusselige Henne." "Das meint sie nicht", sagte ich. "Sie meint das so, dass wir alle das Ergebnis unserer erfahrungen sind. Wenn man diese Erfahrungen weg nimmt, weißt du, dann..." "Nein, weiß ich nicht, Scheiße noch mal", sagte Jess. "Hättest du das mit Jen und all die anderen Sachen nicht durchgemacht..." "Wie Chas und so?" "Genau. Und ähnlich einschneidende Erlebnisse. Na, wer wärst du dann heute?" "Ich wäre eine andere."
"Also machten wir einen Handel. Sie gaben mir die Adresse eines anderen Heims in der nähe, ein privates, das netter sein sollte, und ich versprach, dort anzurufen, wenn ich vorhätte, mich umzubringen."
"In meiner Ansprache habe ich gesagt, dass wir eure Hilfe brauchen, und sie dann wieder, und, was heißt das konkret? Was sollen wir tun, was wir nicht schon tun? Und da wusste ich dann auch nichts. Sie geben mir zu essen, sie kleiden mich ein und geben mir Geld zum saufen und sie erziehen mich und alles. Sie hören mir zu, wenn ich rede. Ich hatte gedacht, wenn ich ihnen sage, sie müssten mir helfen, würden sie mir helfen. Ich hatte nie gedacht, dass es gar nichts gab, was ich sagen konnte, nichts gab, was sie sagen konnten und nichts gab, was sie tun konnten. Dieser Moment, also, in dem Mum mich fragte, wie sie denn helfen könnte, der war irgendwie wie der Moment, als dieser eine Typ vom Dach sprang. Ich meine, es war nicht dermaßen schrecklich oder gespenstisch, und es kam niemand um, und wir waren drinnen und nicht draußen und so weiter. Aber ihr kennt das sicher, wenn man so Sachen in irgendeinem Gehirnwinkel verstaut, in einer Notfallbox, für schlechte Zeiten? Man denkt sich zum Beispiel, irgendwann, wenn ich gar nicht mehr klar komme, bringe ich mich um. Eines Tages, wenn ich mich echt in die scheiße geritten habe, strecke ich die Waffen und lass mich von Mum und Dad raushauen. Na, jedenfalls war die mentale Notfallbox jetzt leer und der Witz war, dass eigentlich nie was drin gewesen war.
"In gewisser Weise machte es sogar alles schwieriger, nciht einfacher. Wenn man einmal aufhörte, sich vorzumachen, es wäre alles scheiße und man könnte es kaum abwarten, es hinter sich zu bringen, wie ich es mir eine ganze Weile eingeredet hatte, tut es eher noch mehr als weniger weh. Sich einzureden, das Leben wäre scheiße, ist wie ein schmerzmittel, und wenn man sein Advil dann absetzt, spürt man erst richtig, was und wo es wehtut, und solche Schmerzen tut sich niemand freiwillig an."
_________________ Nicht was du erlebst, sondern wie du es empfindest, macht dein Schicksal aus
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